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Die berühmte Mettener Klosterbibliothek befindet sich im
Ostflügel des Neuen Konventbaues der unter dem Abt Christoph Guetknecht
(1628-1645) errichtet wurde. Der Ausbau der Bibliothek erfolgte gleichzeitig mit
der Klosterkirche unter Abt Roman II. Märkl (1706-1729) in den Jahren 1722-26.
Der Raum in dem sich die Bibilothek befindet umfaßte sieben Fensterachsen und
besteht aus drei, jeweils zweischiffigen Raumabschnitten, die mit einem flachen
Kreuzgratgewölbe versehen sind. Aus diesen Raumteilen schufen der
Stuckplastiker Franz-Josef Waräthi sowie der für die Anfertigung der
prächtigen Bücherschränke zuständige Straubinger Schreiner Jakob Schöpf, einen der
bedeutendsten Bibliotheksräume des 18. Jh.
Der Zugang zur Klosterbibliothek zeichnet sich durch eine
prächtige Portalrahmung aus verschiedenem Stuckmarmor aus. In dem von
Stuckvasen und einer Christusbüste bekrönten Portalgiebel befindet sich eine
Inschriftkartusche mit folgenden Wortlaut: "SAPIENTIA AEDIFICAVIT SIBI
DOMUM" (Die Weisheit erbaute sich jenes Haus). Die großen Stuckfiguren,
die das Portal flankierten, stellen Allegorien der Weisheit, "Sapientia"
(links), und der Religion, "Religio" (rechts) dar. Die Sapientia mit
Buch und Lorbeerkranz ist mit dem Strahlenkranz, dem Licht des Verstandes
gekennzeichnet, die Religio - mit der Weisheit des Heiligen Geistes begabt -
hält Kreuz und Fackel des Glaubens in Händen.
Tritt man durch das Portal gelangt man in den mittleren der
drei Raumkompartimente der Bibliothek. Das flache Gewölbe (mit gerahmten
Fresken) wird im Mittelraum von zwei, in den Seitenräumen von jeweils einem
Atlantennpaar gestützt. Die von Holzinger gestalteten überlebensgroßen
Jünglingspaare - in den Seitenräumen als Engel gekennzeichnet - scheinen das
niedrige Gewölbe mit nur wenig Kraftaufwand tragen zu können. Über den
Tragefiguren sind stukierte Flachreliefs angebracht. Vor dunklem, poliertem
Grund heben sich die weißen Figuren stark ab. Die Reliefdarstellungen weisen
neben der Darstellung von Engelsputten ein Schriftband mit entsprechendem Motto
sowie ein epigrammatisches Bibelzitat auf. So sind im Mittelraum an der
Nordseite die christlichen Tugenden, an der Südseite die Kardinaltugenden
verbildlicht.
Die Puttenreliefs im Mittelraum stellen - den Inhalten der
Bücher entsprechend - Allegorien der Wissenschaften und der Künste dar. Über
den Durchgängen finden sich Puttenfiguren in stark gebauschten Vorhangdraperien
aus Stuck und auch die Fensterkrönungen sowie die gegenüberliegenden
Blendbögen über den Bücherschränken sind von Putten bevölkert. In den mit
Bandelwerk ausgezierten tiefen Fenstergewänden zeigt sich Holzinger wiederum
auch als Meister des Flachreliefs. Von großer Bedeutung für den Raumeindruck
und für das inhaltliche Programm ist der von Innozenz Waräthi geschaffene
Zyklus von vierzehn Fresken. Die Gemälde befinden sich in einem kräftigen
Stuckrahmen in Form eines geschweiften Vierpasses und sind in die Gewölbefelder
eingesetzt, wobei der Verlauf der Gewölbegrate und die zum Teil unregelmäßige
Form der Joche von Waräthi gekonnt zum Aufbau der Bildkomposition genutzt
wurden.
Die Fresken im Mittelraum zeigen in der Mittelachse: Thomas
von Aquin und Bischof Anselm von Canterbury erhalten hier die göttliche
Bestätigung ihrer Schriften und Thomas von Aquin befragt den hl. Bonaventura
nach der Quelle seines Wissens, worauf sich dieser von seinem Buch dem Kruzifix
zuwendet. Die Kirchenväter beim Verfassen ihrer Schriften und die Mystikerinnen
Gertrud und Mechthild von Helfta. Die vier Evangelisten und die Personifikation
der Ecclesia, im Gegensatz dazu die textauslegenden Protestanten Luther, Calvin,
Melanchthon und Zwingli.
Im nördlichen Seitenraum befinden sich folgende Bilder nach
dem Mittelraum: Traumbild des hl. Hieronymus, er werde wegen der Lektüre
Cicderos von Christus gerügt und von Engeln gegeißelt, und der hl. Odo von
Cluny, der sich irreleitenden Lektüre Vergils hingegeben hatte, an der
Nordwand: Der hl. Bernhard von Clairvaux, und der hl. Benedikt von Nursia.
Im Südlichen Seitenraum gezeigt: Weibliche Heilige als
Vertreterinnen der Tugenden nach dem Vorbild Mariens und Christus am Kreuz, an
der Südwand: Die Personifikationen der acht Seligkeiten. Auf dem Fresko mit den
sieben Todsünden hat sich Waräthi mit seiner Signatur im Buch des Lebens,
verewigt. Die Leitidee dieses Freskenprogrammes wie auch der Stuckdekoration
ist, daß die höchste zu erstrebende Weisheit nicht allein aus Büchern zu
erlangen sei. Die wahre Erkenntnis liegt vielmehr in der göttlichen Gnade der
Offenbarung. Damit wird der Bibliothek zu Metten dem frühaufklärerischen
Gedankengut des 18. Jh. eine strikte Absage erteilt.
Unter den Bänden in der Klosterbibliothek befinden sich auch
250 Inkunabeln - darunter die berühmte Schedel`sche Weltchronik von 1493 -
sowie ein prächtiges Antiphonar aus dem Jahre 1437. Das im Spätmittelalter
blühende Skriptorium beinhaltet weitere bedeutende Werke der Buchmalerei, die
heute in der Staatsbibliothek München aufbewahrt werden. Neben dem Antiphonar
sind in der Bibliothek auch einige für das Kloster bedeutende Dokumente
ausgestellt.
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